Aquarien für nachhaltige Fischzucht

Aquaristik als Fach in der Schule?!

Ja, Sie haben richtig gehört! Das machen wir am Gymnasium Lerchenfeld seit vier Jahren sehr erfolgreich. Jedes Jahr melden sich circa 50 Schülerinnen und Schüler für den Wahlpflichtkurs „Naturwissenschaftliche Praxis“ an, der in der 8. Jahrgangsstufe angeboten wird. Es ist ein richtiger Kurs, keine AG im Nachmittagsbereich. Es werden Referate gehalten, Klassenarbeiten geschrieben und Inhalte gelernt, die mit der Aquaristik im unmittelbaren Zusammenhang stehen.

Das Ziel dieses Kurses besteht in der Vermehrung der Tiere. Dies wird im Vorfeld als Ziel ausgerufen, welches die Schülerinnen und Schüler erreichen sollen. Hierfür müssen sie sich vielerlei Kenntnisse aneignen, haben die meisten doch vorher noch nie etwas mit der Aquaristik zu tun gehabt.

Ein großer Dank gilt hier dem Aquarienverein „Stichling e.V.“ aus Norderstedt, der uns einen Großteil seiner Bibliothek gespendet hat. Ohne diese wären die Schüler und Schülerinnen auf das Internet und unsere spärlichen Bücher angewiesen, was das bedeutet, wissen die meisten von uns ja.

Zu Beginn des Kurses werden wichtige zoologische, ökologische, aber auch technische und organisatorische Aspekte geklärt, hiernach wird eine Klassenarbeit geschrieben und nur wer hier eine mindestens ausreichende Note geschrieben hat, darf sich im Anschluss auch um die Tiere in den Aquarien kümmern. Alle anderen bekommen eine zweite Chance in Form einer mündlichen Nachprüfung. Uns Lehrern ist es wichtig, dass die Verantwortung gegenüber unseren Pfleglingen klar wird und dieser Kurs nicht einfach mal nebenbei abgesessen werden kann.
Hiernach bilden sich Gruppen, die dann zu viert eine bis zwei Arten in einigen Aquarien pflegen. Anfänglich sollen sie die Aquarien so natürlich wie möglich an die Ansprüche der jeweiligen Art anpassen. Im Laufe des Kurses werden die Kenntnisse der Schülerinnen und Schüler dann immer besser. Haben wir zu Beginn noch mit Trockenfutter die richtigen Mengen versucht zu finden, tauen die meisten nach ein paar Wochen schon wie selbstverständlich Frostfutter auf oder laufen in den Schulgarten an die großen Regentonnen, um Lebendfutter abzukeschern. Hier und da wird später dann über Schwarzwasserzugaben gefachsimpelt und Temperaturschwankungen diskutiert. Die Lernkurve der meisten Schülerinnen und Schüler ist wirklich als hoch anzusehen.

Dies wird auch immer durch die Lernstationen unterstützt, die erledigt werden sollen, sobald die praktische Arbeit an den Aquarien erledigt worden ist. Im theoretischen Teil setzen sich die Schülerinnen und Schüler nicht nur mit den Arten und deren Heimatbiotopen auseinander, auch Zierfischzucht und Wildfang im kommerziellen Stil werden thematisiert und deren Bedeutung für die Arterhaltung und den Naturschutz diskutiert, die Behandlung von Krankheiten, heimischen Gewässern, transgenen Fischen, das Staudammprojekt am Rio Xingu, die Herstellung von Schwarzwasser, Wasserpflanzen, Anleitungen zum Bau von Fischfallen oder Mattenfiltern, die zum Basteln anregen, all dies und noch vieles mehr sind Inhalte der theoretischen Teile in diesem Kurs und sollen zu umfassendem Zuwachs zur Umweltbildung beitragen.

Mittlerweile pflegen wir folgende Arten: Betta miniopinna, Betta cocchina, Betta uberis, Trichogaster trichopterus, Trichogaster leeri, Pterophyllum scalare, Corydoras aeneus, Corydoras sterbai, Xiphophours helleri „natur“, Xiphophorus montezumae, Xiphophorus mayae, Ameca splendes, Zoogoneticus tequila, Xeonotoca doadrioi, Xenotoca eisenii, Melanotaenia rubrivittata, Pseudomogil gertrudae. Hinzu kommt ein Schaubecken vor dem Sekretariat sowie ein „Amazonas-” und ein „Tanganjikaseebecken“. Perspektivisch werden wir uns auch an Flossensaugern versuchen.

Die Auswahl unserer Fische erfolgte nach verschiedenen Gesichtspunkten. Zum einen sollten sie natürlich nicht allzu empfindlich in der Pflege sein, dann sollte die Vermehrung spannende Beobachtungsmöglichkeiten bieten und eine möglichst breite Palette abdecken, was die Vielfältigkeit der Fische darstellt.
Und zu guter Letzt wollten wir natürlich auch einen Beitrag zur Arterhaltung leisten, weswegen wir uns um die Pflege der Hochlandkärpflinge und Laubkampffische bemüht haben.
Einige dieser Arten konnten die Schülerinnen und Schüler in den letzten Jahren erfolgreich vermehren.

Diesen Kurs alleine auf die Beine zu stellen, wäre gar nicht möglich gewesen. Und so bin ich sehr dankbar und auch stolz darauf, dass unsere Schulleitung, aber auch unser Schulverein diesem Projekt stets so positiv gegenüber gestimmt ist. Aber auch die Kooperation mit der GoodeidWorkingGroup, hier namentlich hervorzuheben Dr. Michael Koeck und Michael Kempkes, hat uns einen gehörigen Schritt weitergebracht, ebenso wie die Kooperation mit dem Sagittaria e.V. und der schon erwähnten großzügigen Spende des Stichling e.V. Auch hat sich die Firma Juwel an einigen Stellen sehr unterstützend mit unserem Projekt befasst, was auch an dieser Stelle noch einmal mit einem großen Dank versehen werden soll.

Trotzdem sind wir noch lange nicht am Ende unserer Pläne angekommen. Mittlerweile führen wir in jedem Jahrgang zwei Kurse durch und besitzen zusätzlich auch eine AG im Nachmittagsbereich. Das Interesse ist ungebrochen hoch, was uns in unserem Hobby doch wirklich sehr positiv stimmen sollte.

Die Schülerinnen und Schüler freuen sich schon darauf, wenn alles in unserer Gesellschaft wieder in halbwegs geordneten Bahnen läuft, unsere Nachzuchten auf regionalen Börsen in verantwortungsvolle Hände abzugeben.

Bis dahin hegen und pflegen wir und bringen unser schönes Hobby in die neue Generation.

Falls Sie uns kennenlernen wollen, dann besuchen Sie uns gerne auf den nächsten „Norddeutschen Aquarianer- und Terrarianertagen“ und wenn Sie uns in irgendeiner Weise unterstützen wollen, dann dürfen Sie sich gerne bei mir melden: tim.olsson@gyle.hamburg.de,
wir würden uns sehr darüber freuen.

Weiterführende Links

http://ring-der-vivariumschulen.de/ (externer Link)
http://www.goodeidworkinggroup.com/ (externer Link)