Unsere Aufführungen 2011
Das zweite Mädchen
von Merle Marie Hassner
Mit Paula Brune, Gaia Braßeler, Leonie Frommholz, Alessandra Pidgorny, Paulina Petri, Julia Schinnenburg, Friederike Strauss und Nina Schult.
Am Klavier: Matthias Micklich, Merles Klavierlehrer aus Bergedorf
Buch, Regie, Bühne und Kostüme: Merle Marie Hassner
Merle ist eine Zauberin. Sie hat ein eigenes Stück geschrieben, sie hat aus einer Theater-AG mit 11- bis 13-Jährigen ein starkes Ensemble gebildet. Sie hat ein fantastisches Bühnenbild gestaltet, Kostüme genäht und Requisiten zusammenstellt. Ich glaube, sie hat sogar einen Baum gefällt. Merle hat ein Stück inszeniert, von dem wir noch lange sprechen werden. Und ganz nebenbei hat sie Abitur gemacht.
Als der Vorhang sich öffnete, blickte ich auf ein abstraktes Kunstwerk, das mich nach ein bis zwei Minuten Besinnung in einen Zauberwald teleportierte. Die Figuren, die dann nach und nach in ihren pastellfarbenen Fin-de-Siècle-Kleidern auftauchten, wirkten wie lebendig gewordene Puppen. Ich war im Theater!
Mit wenigen aber wirkungsvollen Mitteln hat Merle Hassner Bühnenbilder geschaffen, die die kleine Bühne unserer Mehrzweckhalle doppelt so groß erscheinen ließen. Die Kontraste von pinkfarbenem Plüsch und rohem Wurzelwerk, von Vintage und Klarheit waren schon ein Spiel für sich. Schön auch wie sie selbst jedes Bild neu arrangierte, Stühle aufstellte, Tische wegtrug, das Teelicht ausblies, um es für den nächsten Einsatz als Lagerfeuer wieder anzuzünden.
Die Geschichte handelt von drei Schwester, die nach dem Tod ihrer Eltern getrennt werden. Die jüngste, Josephine, geht zur Tante, Lady Christina, die zwei Älteren, Angelina und Mary-Jane, kommen ins Waisenhaus. Dort ist es aber so schrecklich, dass sie fliehen und nach einigem Herumirren im Zirkus Olympus aufgenommen werden. Die böse Heimleiterin Mrs Melbourne lässt sie währenddessen beharrlich von der Polizei suchen. Mary-Jane wird schließlich im Zirkus gefunden, abgeholt und in ein Erziehungsheim gesteckt. Am Ende geht aber alles gut aus. Die Schwestern sind wieder vereint und leben bei der ehemaligen Haushälterin Mrs Sims, Angelina heiratet John, den Zirkusjungen und alle tanzen auf der Hochzeit.
Das zweite Mädchen ist Mary-Janes Schatten, der sie auf Schritt und Tritt begleitet und an ihr zerrt. Ein böser Engel, der ständig versucht, sie in den Abgrund zu ziehen. Nina Schult, das zweite Mädchen und Julia Schinnenburg, die Lichtgestalt, stehen sich gegenüber wie Ying und Yang. Die eine dunkel und geheimnisvoll, die andere elfengleich mit einem leicht melancholischen Zug. Als hätte sie nie etwas anderes in ihrem Leben getan, spielt Julia die von Zweifeln geplagte und von traumatischen Erinnerungen verfolgte Mary-Jane. Das Spektrum ihres Ausdrucks war atemberaubend, die Spielfreude war ihr ins Gesicht geschrieben.
Ideal besetzt mit der Rolle der resoluten großen Schwester: Paulina Petri. Sie weiß immer, was zu tun ist und wo es lang geht. Sie hat genau die Menge an Text, von der sie schon immer geträumt hat, und hätte auch noch mehr bewältigen können. Paulina würde locker ein 1-Personen-Stück von 3 Stunden schaffen. Ich denke da an „La Servante Zerline“ von Hermann Broch, das ich mit der genialen Jeanne Moreau vor vielen Jahren im Hamburger Schauspielhaus sehen durfte.
Als ich vor der Vorstellung kurz in den Umkleideraum lugte und meine Schülerinnen in ihren Kostümen kaum wieder erkannte, rief mir Alessandra zu: „Ja, wir sind Figuren!“ und traf damit den Nagel auf den Kopf. Alessandra Pidgorny spielt Lady Christina als autoritären Drachen und gibt nicht einen Millimeter ihrer Macht preis. Paula Brune hat gleich drei Männerrollen überzeugend übernommen: Den Vater, den Zirkusjungen und den Polizisten. Friederike Strauss, die jüngste und auch die einzige aus der 5. Klasse, spielt den Zirkusdirektor, das Zimmermädchen, das Zirkuskind und eine Küchenhilfe. Sehr mutig, so allein bei den Großen mitzumachen. Genau wie Gaia Braßeler aus der 6c, die als Josephine, genannt Jenna, die Rolle der eigenwilligen aber dennoch sehr zarten kleinen Schwester gefühlvoll interpretiert.
Wie hat Merle es geschafft, dass sie alle soviel Text auswendig gelernt haben, dass sie alle so sehr in ihren Rollen aufgegangen sind, dass sie alle so punktgenau mit minimalen Gesten maximalen Ausdruck geliefert haben? Sie muss sie verzaubert haben.
Eine wichtige Rolle spielte auch die Musik in diesem Stück. Matthias Micklich am Klavier versetzte das Geschehen an einen unbestimmten Ort in eine unbekannte Zeit. Wir hoffen, dass in nicht allzu ferner Zeit an genau demselben Ort eine weitere Aufführung stattfinden kann.
Marina Wilde
Unsere Aufführungen 2010
Als unsichtbare Mauern wuchsen
Die Generalprobe
Bon Anniversaire – Rettet das Meer
Wir wollen spielen!
Theater in der Schule: Christian Boelke und Andreas Bichler in “Auge”
Das Fach Darstellendes Spiel hat an unserer Schule eine lange Tradition. Die vier Wahlpflichtkurse ab Klasse 10 sind bei den Schülern heiß begehrt. Und unsere Aufführungen sind die Höhepunkte am Ende jeden Schuljahres.
Wer selbst einmal auf einer Bühne stand, kennt den Zauber des Schauspielens. Für Kinder und Jugendliche bedeutet Theater spielen zunächst einmal sich selbst kennen zu lernen und auszuprobieren, um dann in aufregende Rollen zu schlüpfen. Sie lernen zu stehen und zu gehen, sie lernen atmen, sprechen und schreien; sie erhalten ein elementares Körpertraining. Dabei verlieren sie Unsicherheiten und gewinnen Selbstvertrauen sowie wichtige Erkenntnisse, die ihnen auch in anderen Bereichen, zum Beispiel bei Präsentationen, sehr helfen.
Genauso spannend wie die Interpretation von Literaturklassikern ist es, eigene Stücke zu entwickeln. Rollen erfinden, Situationen inszenieren, Collagen entwickeln, mit unterschiedlichen Stoffen experimentieren. Hier können die Schüler voll aus ihrer eigenen Erlebniswelt schöpfen. Auch Theatergeschichte und Theaterkritik sind im Lehrplan vorgesehen.
Hamburg hat große Bühnen und bietet viele Gelegenheiten, großartige Schauspielkunst zu erleben. Das nutzen wir natürlich gern aus. Eine Kooperation mit dem Thalia-Theater ermöglicht uns aber auch andere, vielleicht noch intensivere Begegnungen mit der Bühnenkunst. So hatten wir gerade das Thalia-Theater in unsere Schule eingeladen. Die Schauspieler spielten im Klassenraum und die Schüler könnten hautnah überprüfen, wie das eigentlich geht. Spielen.
Theater
Neben Musik und Bildender Kunst ist Theater das dritte musische Fach. Im Unterschied zu den beiden anderen wird es allerdings nicht als Pflichtfach angeboten, sondern kann alternativ zu den o. g. Fächern – als Wahl(pflicht)fach aufgenommen werden.
Theaterspielen …
- erfordert Mut! Dies gilt nicht nur für die abschließende öffentliche Präsentation des Stückes, sondern für jede Stunde. Ihr müsst bereit sein, euch auf Neues einzulassen. Ihr müsst euch trauen, die Übungen oder Improvisationen vor den MitschülerInnen vorzuführen (ohne ständig dabei herumzualbern).
- ist ein Bewegungsfach. Jede Stunde beginnt mit einem Aufwärmen, das aus verschiedenen theaterspezifischen Bewegungsübungen besteht. (Bequeme Kleidung ist die Voraussetzung dafür.)
- bedeutet Übernahme von Verantwortung! Alle, LehrerIn und SchülerInnen, sind jederzeit gemeinsam dafür verantwortlich, dass die Inszenierung, auf die sich der Kurs zu Beginn seiner Arbeit festlegt auch umgesetzt werden.
- ist Ensemble-Arbeit. Jeder muss bereit sein mit Jedem zu spielen; von allen wird absolute Zuverlässigkeit in Bezug auf Anwesenheit und Pünktlichkeit erwartet
- ist zeitaufwendig! Es gibt Hausaufgaben, wie in anderen Fächern auch. Darüber hinaus dauern Proben manchmal länger, Endproben und Aufführungen liegen grundsätzlich außerhalb der Unterrichtszeit. Und manchmal muss eine Menge Text gelernt werden!
Das Fachkollegium
Sigrun Allwardt, Philip Groß, Michael Wanker (Schauspieler), Hartmut Wendt, Marina Wilde
Die Fachräume
Unsere Schule verfügt über eine Mehrzweckhalle mit guter Akustik, einer ausreichend großen Bühne und einer Sitztribüne. Als weiterer Probenraum steht die Gymnastikhalle in der Finkenau 42 zur Verfügung. Es gibt einen ordentlich ausgestatteten Fundus und eine Kulissenwerkstatt.
Unsere Stücke
Das zweite Mädchen, Cut – sieben Leben, Als unsichtbare Mauern wuchsen, Bon Anniversaire – Wir retten das Meer, Die Generalprobe, Verloren in Helsinki, Hannah im Glück, Das Haus an der Grenze, Die 50er Jahre Revue, VAM oder wie nennst du IHN?, ab ins surde, Reineke Fuchs, Vorsicht. Trinkwasser (Woody Allen), Hochzeit des Figaro (Beaumarchais), Porträt eines Planeten (Dürrenmatt), Die Gewalt der Liebe (Wolfgang Rapp), Der Prozess um des Esels Schatten (Dürrenmatt), Das Haus in Montevideo, Gauneroper (Vaclav Havel), Revuen, Ein Engel kommt nach Babylon (Dürrenmatt), Es liegt in der Luft – Die 20er Jahre-Revue
Die Stundentafel
| Jahrgang | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | |
| Theater | 2 | 2 | 2 |
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Der Rahmenplan
Der Rahmenplan nennt als Ziele der Arbeit in diesem Fach:
„Darstellendes Spiel fördert mit den Mitteln der darstellenden Künste die sinnliche Wahrnehmung sowie das ästhetische Empfinden und Verstehen. Sein Schwerpunkt liegt auf der praktischen Erprobung theatraler Möglichkeiten und der Reflexion ihrer Wirkungen. Die Entfaltung eigener Kreativität in der Gruppe, die Entwicklung der Kritik- und Urteilsfähigkeit im Umgang mit den darstellenden Künsten und mit theatralen Situationen und Gestaltungen des öffentlichen Lebens sowie die Förderung der aktiven Teilhabe am kulturellen Leben sind zentrale Ziele des Darstellenden Spiels.“
Die Arbeitsgemeinschaften
In den Jahrgängen 5 bis 9 haben unsere Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, an einer Arbeitsgemeinschaft „Theater“ teilzunehmen. Im Unterschied zu den Wahlpflichtkursen werden sie nicht benotet.



