Klasse 9 und 10

Zum Religionsunterricht in Klasse 9 und 10

Liebe Schülerin, lieber Schüler,
ab der 9. Klasse kannst Du zwischen Religion und Philosophie wählen. Beide Fächer werden zweistündig unterrichtet, benotet und sind versetzungsrelevant.

Worum geht es im Religionsunterricht?

Im Religionsunterricht hast du die Möglichkeit den Unterricht mit zu gestalten und kannst Einfluss auf die Themen nehmen. Dabei geht es um Fragen, die alle Menschen irgendwann beschäftigen, um sogenannte “letzte Fragen”. Sie berühren unser Leben als Ganzes, den Anfang und das Ende, unsere Herkunft und unsere Zukunft. Es geht um das, was wir glauben, was uns in unserem tiefsten Inneren wichtig ist, und darum, wie wir uns unser Leben wünschen. Du solltest deshalb offen sein, dir zumindest vorzustellen, dass es Gott gibt (wenn du nicht sowieso an ihn glaubst), und aus dieser Vorstellung heraus die Welt zu betrachten. Diese Offenheit führt dazu, dass wir in Religion alles immer aus zwei Perspektiven betrachten. Einmal von innen heraus – das heißt wir gehen davon aus, dass es Gott gibt und diskutieren unter dieser Voraussetzung verschiedene Themen; zum anderen von außen – das heißt wir sprechen über Religion und stellen die vorherigen Ergebnisse damit eventuell wieder in Frage. Besonders wichtig ist also, dass Du überhaupt bereit bist, die Welt aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, von denen der eine die religiöse Sichtweise einnimmt. Es gibt dabei viele Gelegenheiten zu kontro­versem Gespräch, aber zuvor müssen natürlich die nötigen Kenntnisse erarbeitet werden.

Welche Themen gibt der Rahmenplan vor?

Der Rahmenplan nennt vier Themenbereiche.

Thema 1: Wir leben in der einen Welt – Fragen nach Ursprung und Ende, Gefährdung und Heilsein.

Hier geht es um Fragen wie z.B.: Haben die Naturwissenschaften die Existenz Gottes widerlegt? Sind wir Menschen Zufallsprodukte der Evolution oder von Gott gewollte Geschöpfe? Reicht es, sich um selbst, seine Familie und sein Land zu kümmern, oder haben wir eine Verantwortung für die ganze Welt? Geben erst Religion und Glaube dem Leben Sinn? Gibt es ein Leben nach dem Tod? Welche Antworten geben auf diese Fragen eigentlich Menschen andernorts auf der Welt? Sicher fallen dir noch mehr Fragen ein.

Thema 2: Wir leben in der Gemeinschaft – Fragen nach Frieden und Gewalt, Gerechtigkeit und Armut, Hoffnung und Resignation.

Hier geht es um das Zusammenleben der Menschen. Sind wir genetisch festgelegt in unserem Handeln oder können wir frei entscheiden? Gibt es Werte, die auf der ganzen Welt gelten, oder wird “Gut” und “Böse” überall verschieden verstanden? Bieten uns die Religionen verläßliche Maßstäbe? Warum gibt es so viel Ungerechtigkeit auf der Welt und wer hat Schuld daran? Stören die Religionen das Zusammenleben der Menschen oder helfen sie ihnen dabei, gut miteinander auszukommen? Sind Menschen, die Gutes tun, immer gläubig? Auch hier gibt es viel nachzudenken und zu fragen.

Thema 3: Wir leben in einer Welt mit vielfältigen Religionen und Kulturen – Fragen nach Einzigartigkeit und Gemeinsamkeit, Eigenem und Fremdem, Dialog und Konflikt.

Bei diesem Thema stehen Fragen nach dem Verhältnis der Religionen untereinander im Mitteplunkt. Wieso gibt es überhaupt so viele verschiedene Religionen? Glauben alle an denselben Gott? Wäre eine Welt besser, in der es nur eine einzige Religion gäbe oder gar keine? Darf der Staat oder Mehrheiten bestimmen, was geglaubt wird? Oder darf jeder glauben, was er will, und dementsprechend handeln? Wieso führen Menschen Kriege im Namen ihrer Religion? Wie können wir in Deutschland Religionskonflikte vermeiden? Hier stellen sich uns bis in den Alltag hinein viele aktuelle Fragen.

Thema 4: Ich suche mit anderen nach dem Sinn des Lebens – Fragen nach Gott, Transzendenz und Heiligem

Man kann wohl nicht beweisen, dass es Gott gibt, aber genauso wenig das Gegenteil. Glaubt nicht jeder an irgendetwas – und was ist das, wenn es nicht Gott ist? Ist der Mensch von Natur aus religiös? Hat mein Leben auch einen Sinn, wenn ich nicht an Gott glaube? Überhaupt – gibt es nur einen einzigen oder mehrere Götter? Warum sind einige Menschen eher traurig und andere voller Lebensfreude? Warum lässt Gott so viel Leid auf der Welt zu? Kümmert Gott sich nur um Menschen, die an ihn glauben? Was ist mir selbst heilig? Hat das, was Menschen heilig ist, immer mit Gott zu tun? Und wieder gibt es keine einfachen Antworten.

Was wird im Religionsunterricht bewertet?

Die Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft oder der persönliche Glaube sind weder Voraussetzung noch Kriterium der Bewertung. Wichtig ist vielmehr, dass Du über Neugier und Bereitschaft verfügst, Dich mit den genannten Fragen auseinanderzusetzen, ohne einfache Lösungen zu erwarten. Beurteilt wird dabei Deine Fähigkeit, Dir Sachverhalte zu erarbeiten und Zusammenhänge zu verstehen, unterschiedliche Positionen miteinander zu vergleichen und durchdacht zu argumentieren. Wie in anderen Fächern geht es nämlich auch in Religion darum, Unbekanntes kennenzulernen, Bekanntes besser zu verstehen, sich angemessen auszudrücken, mit anderen zusammen nachzudenken, um zu einem tragfähigen Ergebnis zu kommen. Es reicht nicht aus, einfach nur gerne zu diskutieren und “drauf los zu labern”, du musst schon bereit sein, Dir für eine erfolgreiche Mitarbeit die nötigen Kenntnisse zu erarbeiten. Anders ist auch in Sachen Religion keine Klarheit zu gewinnen.