Zum Religionsunterricht in der Beobachtungsstufe (Klasse 5 und 6)
Liebe Eltern! Sie wünschen sich, dass Ihre Kinder das Leben meistern. Sie tun dazu, was Sie nur können, um ihnen den Weg in die Zukunft zu ebnen. Deshalb haben Sie sich für das Gymnasium Lerchenfeld als weiterführende Schule entschieden.
Wenn Kinder im Alter von zehn Jahren auf unsere Schule kommen, bringen sie in der Regel bereits vieles mit. Unseren Erfahrungen nach zählt darunter auch eine Neugier, die die meisten Schulfächer in der Regel nicht berücksichtigen – eine Neugier, die sich auf die sogenannten “letzten Fragen” richtet:
- Wieso bin ich, wie ich bin?
- Muss Streit sein?
- Warum müssen gute Menschen leiden?
- Wer hat die Welt gemacht?
- Wie hat alles angefangen?
- Kommt das All an ein Ende?
- Was passiert, wenn ich tot bin?
- Kommt meine Katze in den Himmel?
- Gibt es Gott wirklich?
- Darf man auf ihn wütend sein?
- Warum gibt es so viele Religionen?
- Worin unterscheiden sie sich eigentlich?

Dieser Neugier Ihrer Kinder wollen wir entgegenkommen. Wir meinen darüber hinaus, dass Wachheit für letzte Fragen einen wichtigen Maßstab für Bildung benennt und in unübersichtlichen Zeiten einen zentralen Platz im Angebot der Schule einnehmen sollte. Wir alle wollen, dass unsere Kinder in der Schule viele Kenntnisse und Fähigkeiten, möglichst viel Wissen vermittelt bekommen. Ebenso wichtig ist aber, dass sie über der Fülle an Informationen nicht orientierungslos werden, sondern wertbewusst urteilen können und dazu fähig sind, gewissenhafte Entscheidungen zu treffen. Eine Verbindung zwischen beidem, zwischen Wissen und Werten, ist ohne einen kultivierten Umgang mit den “letzten Fragen” nicht möglich.
Einen ersten Beitrag dazu leistet der Religionsunterricht in den Klassen 5 und 6, in denen er laut Lehrplan pro Woche zweistündig unterrichtet wird. Sein Anliegen ist, dass Ihre Kinder erfahren, welche Antworten Menschen in religiöser Perspektive auf die genannten Fragen zu geben versuchen und worin sie die Grundlage ihres Lebens sehen. Es geht uns dabei nicht darum, Ihre Kinder auf eine bestimmte Glaubenshaltung hin zu verpflichten – nicht zu glauben lehren wir, sondern zu fragen und wahrzunehmen, zu verstehen, zu deuten, sich zu besinnen und einander mitzuteilen. Insofern teilt der Unterricht im Fach Religion Zielsetzungen und Methoden, die auch für andere Schulfächer gelten, und zielt als “ordentliches Lehrfach” (Art. 7 GG) insgesamt auf das, was Bildung heißt.
Da vorzugsweise das Christentum unsere Kultur geprägt hat und unsere Werte und Lebensformen bis in die Gegenwart beeinflusst, ist es verständlich, dass zunächst die christliche Tradition den inhaltlichen Mittelpunkt des Religionsunterrichts bildet und der christliche Glaube zum zentralen Denkanlass im Unterricht wird. Wir legen jedoch großen Wert darauf, dass Kinder mit keinem oder einem anderen religiösen Bekennntnis ebenfalls am Religionsunterricht teilnehmen. Sie tragen durch ihre Teilnahme dazu bei, dass wir am Gymnasium Lerchenfeld auch weiterhin gut miteinander auskommen, auch wenn wir unterschiedliche religiöse und weltanschauliche Prägungen in uns tragen. Nur in einem Religionsunterricht, an dem alle teilnehmen, können Kinder einander zu “Freunden in der Einen Welt” (so der Titel unseres Religionsbuchs) werden.
Wir hoffen, dass Ihnen diese Anmerkungen zum Fach Religion eine Hilfestellung gegeben haben, die Sie klarer erkennen läßt, warum der Religionsunterricht für Ihr Kind wichtig ist. Sollten Sie noch Fragen haben, so stehen wir Ihnen gerne für ein Gespräch zu Verfügung.

