Aufbau eines erörternden philosophischen Essays
1. Einleitung
Fragestellung
In der Einleitung sollte die Fragestellung des Essays möglichst präzise benannt und ggf. kurz erläutert werden. Hierfür sollten nicht mehr als 3 Sätze verwendet werden. Oft reicht ein Satz aus.
In vielen Fällen ist es für die sinnvolle Behandlung einer philosophischen Fragstellung nötig, deren Hintergrund möglichst klar darzustellen. Dieser Hintergrund besteht manchmal aus empirischen Daten (oder Fakten) wie z.B. dem aktuellen wissenschaftlichen Forschungsstand oder bestimmten rechtlichen Voraussetzungen, manchmal besteht er aus bestimmten relevanten Interpretationen der Welt wie z.B. bestimmten Menschenbildern, manchmal auch aus bestimmten philosophischen Positionen.
In der Darstellung des Hintergrundes soll erstens klar werden, warum die Fragestellung interessant bzw. relevant ist. Zweitens sollen die wesentlichen Voraussetzungen, die für die Behandlung der Fragestellung relevant sind, möglichst knapp, aber klar dargestellt (und damit auch zurecht gelegt) werden, damit man später darauf seine Erörterung stützen kann.
Gliederung
Oft ist es sinnvoll, den Aufbau des Essays und seine Unterteilung in verschiedene Abschnitte und Teilaspekte des Themas bzw. der Fragestellung kurz (in 1-3 Sätzen) zu erläutern. Insgesamt sollte die Einleitung normalerweise nicht mehr als ¼ des gesamten Essays ausmachen.
2. Erörterung
Dies ist der eigentliche Hauptteil. Hier werden Argumente oder Erklärungen erläutert und gegeneinander abgewogen. Welche Argumente können für eine Position oder Erklärung angeführt werden, welche für eine andere? Auf welchen Hintergrund beziehen sich die verschiedenen Argumentationen? Welche (vielleicht fragwürdigen) Voraussetzungen werden bei einer bestimmten Argumentation gemacht (vielleicht ohne dass es offen benannt wird)? Werden bestimmte Argumente der einen Position durch bestimmte Argumente einer anderen Position entkräftet oder sogar widerlegt? Können bestimmte Argumente als unlogisch oder widersprüchlich entlarvt werden?
Dieser Teil sollte in etwa die Hälfte (ggf. bis zu bis zwei Dritteln) des Essays ausmachen.
3. Urteil
Am Ende eines philosophischen Essays steht meistens ein Urteil bezüglich der behandelten Fragestellung. Ein Urteil ist relativ wertlos, wenn es nicht begründet ist. Meistens wird sich das Urteil aus der Erörterung ergeben: Nachdem alle Argumente durchdacht und gegeneinander abgewogen wurden, wird eine (vielleicht vorläufige) Entscheidung getroffen für eine bestimmte Meinung oder Position: das Urteil. Die hier wesentliche Begründung des Urteils besteht normalerweise darin, zu erklären, wie sich das Urteil aus der Erörterung ergibt. Oft wird diese Begründung darin bestehen zu erklären, warum die Argumente der einen Seite stärker sind als die der anderen.
Hier einige Beispiele für gelungene philosophische Essays:
- Essay von Simon Andresen (S1) zu der Frage: Ist es legitim Passagierflugzeuge, die von Entführern als terroristische Waffe benutzt werden, abzuschießen?
- Essay von Tanja Peters (Klasse 9) zu der Frage: Ist die Todesstrafe ethisch gerechtfertigt?

