Kreatives Schreiben

Hier finden sich besondere kreative Erzeugnisse aus den Deutsch-Kursen unserer Schule:


Die Hosen meines Vaters

Keiner weiß welche Farbe die Socken meines Vaters haben, denn keiner, der nicht in unsere Familie ist, hat sie je gesehen. Mein Vater mag es nämlich, wenn seine Hosen beim Stehen bis zum Boden reichen, so dass man beim Sitzen man seine Socken nicht sehen kann, das hasst er nämlich.

Alle Hosen, die mein Vater im Schrank hat, sind alle gleich. Zwar sind manche heller, manche dunkler. Paar haben hier ein Strich, andere da ein Muster. Aber sie sind alle gleich, gleich lang und alle zertreten. Denn alle 16 Hosen, die mein Vater in seinem Schrank hat, sind alle ein klein wenig zu lang, so dass beim Gehen er die Straßen regelrecht mitfegt.

Außer eine, eine Hose ist unten nicht ruiniert. Die, die er am Dienstag gekauft hat. Ein Schnäpschen, nur 10 Euro. Ihr müsst wissen, das Schicksal dieser 17te hellbraune neue Hose wird es nie sein von den Straßen zerfressen zu werden. Sie ist nämlich nicht zu lang, aber auch nicht zu kurz für meinen Vater. Sie ist perfekt.

Verschiedene höchst seltene und vor allem zerstörerische Zufälle, z.B. dem Besuch meiner Großeltern, führten dazu, dass diese eine Hose gleichlang mit den anderen wird oder besser gesagt, dass alle anderen Hosen mit dieser eine gleichlang werden.

Ihr müsst wissen, jede Hose hat das Bestreben den perfekten Zustand für ihren Besitzer zu erreichen. Es ist fast wie bei den Atomen, die den Edelzustand erreichen wollen. Oder wie bei den Scientologen, die „Clear“ sein wollen. Fast… Ein Unterschied besteht allerdings, eine Hose, so stark sie es sich auch wünscht, kann sich selbst nicht verändern.

Hosen, und Kleider überhaupt, stehen unter der Diktatur der primitiven Kleiderträger. Wie bereits erwähnt waren zu dem Zeitpunkt meine Großeltern zu Besuch. Als meine Großmutter den fatalen Zustand der Hosen im Schrank bemerkte, schaltete sich ihr Mutterinstinkt ein.

Ich weiß nicht wann genau es geschah, aber ich schätze mal es waren ca. 10 Sekunden vor halb 4, als die Mutter meines Vaters die alte rostige Nähmaschine auspackte. An dem Zeitpunkt verstand die hellbraune und für meinen Vater perfekte Hose, dass im Reich der gleichlangen Hosen alle gleichlang sein müssen.

Natürlich wollte sie nicht so aussehen wie die anderen, zerfledert, und vor allem hatte sie Angst um ihre Länge. Noch erkannte sie ihr Glück nicht, als Model dienen zu dürfen.

Meine Mutter schloss sich mit meiner Großmutter zusammen und sie verwandelten unser Wohnzimmer blitzschnell in eine hektische, militärähnliche Büroanstalt. Jede Hose wurde inspiziert und geprüft. Bald packte meine Mutter zwei dutzend Kisten aus, voll geladen mit tonnenweisen Fäden, Seide, Nähnadeln und andere uralte Werkzeuge zur Verrichtung von Arbeit, die man komischerweise heutzutage nicht schon mit dem Handy erledigen kann.

Listen wurden angefertigt und bald flogen die ersten Stoffteile. Da verstand die hellbraune Hose, wie besonders sie war und war natürlich sehr stolz. Längenmaße wurden per Funk weitergegeben und jeder hatte seine Aufgabe. Nicht nur einmal musste ich zum Schneiderbedarf laufen. Und mitten in all dem ordentlichen und organisierten Chaos, die hellbraune Hose und ihr Besitzer, der bald 16 weitere gleichlange perfekte Hosen haben soll, die unten nicht mehr zerfleddert sind.

Die beiden Nähsoldatinnen arbeiteten bis spät in die Nacht. Eine kleine Schlafpause und dann ging’s gleich weiter. Alle 16 Hosen mussten unter allen Umständen perfekt für meinen Vater sein, also so lang wie die neugekaufte Hose und natürlich musste auch ihr Unteres besser aussehen.

Die stolze Hose wurde jedes Mal neu gemessen und angesehen. Bald sah sie nicht mehr so neu aus. Und sie merkte, dass die Aufmerksamkeit, die sie dachte zu bekommen, gar nicht erlangte und dass es eigentlich nur um die anderen Hosen ging. Sie verstand, dass bald alle Hosen gleich sein werden wie sie und sie dachte, dass sie bald nicht mehr so einzigartig sein wird…

Alle Hosen, die mein Vater im Schrank hat, sind verschieden. Zwar sind sie alle gleich lang und sehen nicht zertreten aus, jedoch sind manche heller und manche dunkler. Paar haben hier ein Strich, andere da ein Muster.


Nicht mit mir

Auf einem Mal war Beckham verschwunden. Ich öffne die Augen und erblicke eine ausgeschlafene und gutgelaunte Frau vor mir. Es ist meine Mutter, die mich mal wieder scheinbar mitten in der Nacht aus meinen schönsten Träumen gerissen hat. Dabei hatte ich es gerade geschafft, Becks doch noch zu überreden, mit zu mir nach Hause zu kommen.

„Du brauchst doch noch Gurken für den Salat, den du fürs Klassenfest machen wolltest“, versucht meine Mutter mich zu überzeugen. Doch ich lasse mich nicht verarschen. Erstens war nicht ich die jenige, die den Salat machen wollte, sondern sie und zweitens geht es ihr gar nicht darum. Sie braucht nur jemanden, der ihr das supergünstige Fahrrad von Aldi nach Hause fährt.

Aus Erfahrung spare ich mir dir Frage, ob sie mir die „Gürkchen“, wie meine Mutter gerne zu sagen pflegt, nicht vielleicht mitbringen könnte. Dann käme nur wieder die Predigt über die gestresste Frau und Mutter, sich um alles kümmert und bei der es ja wohl nicht zu viel verlangt wäre , mal etwas zu helfen. Ich würde mich schon nicht überarbeiten.

Widerwillig stehe ich auf, erblicke mich im Spiegel und falle halb in Ohnmacht. Was hat dieser große, rote Punkt mitten auf meiner Stirn zu suchen? Wozu kauf ich mir extra für 30€ das „tolle Wundermittel“ aus der Werbung?! Nein, so kann ich unmöglich aus dem Haus gehen! Dann habe ich noch ungewaschene Haare…Never ever!

Ich versuche vorsichtig meiner Mutter klar zu machen, dass ich leider verhindert bin jetzt aus dem Haus zu gehen, doch ihr drohender Blick verrät mir, dass gleich die „dich kennt dort eh keiner“-Diskussion anfängt. Ich beschließe mich lieber im Stillen zu ärgern. Doch meine Familie scheint mich auf eine harte Proben stellen zu wollen. Kurz bevor meine Mutter und ich das Haus verlassen, erblicke ich meine Schwester auf dem Flur. Doch sie ist nicht alleine. Ihr Oberkörper wird von meinem neuen Beckhamtrikot aus den USA begleitet. Mein Trikot, das ich für 80$ gekauft habe. Und dann, der Schock meines Lebens. Meiner Schwester war es nicht gelungen weitere Details auf meinem Trikot zu vermeiden. Ein riesiger Schokoladenfleck verdeckt nun die original Unterschrift von Beckham himself. Fassungslos starre ich auf den Fleck, in der Hoffnung, ich hätte nur Wahnvorstellungen. Doch von welcher Seite ich ihn auch betrachte, der Fleck verschwindet einfach nicht. Bevor ich jedoch meiner Schwester ihre gerechte Strafe verpassen kann, schiebt mich meine Mutter nach draußen.


Die Elemination des Monsters

„Hier ist ein Monster und es kann flieeegen!“ Meine geliebte Schwester schrie wie am Spieß, so dass ich begann mir ernsthafte Sorgen zu machen, bei dem Staubsaugen eine Pause einlegte und schnell zu ihr hetzte. Tatsächlich saß da ein riesiges Monster, welches widerlich schnell hin und her flog. Ein Schuster!

Während ich also zur produktiven Arbeit schreiten wollte und zu dem Staubsauger griff, kam mein Bruder mir entgegen, mit einem Gesicht, als ob Weihnachten und Ostern an einem Tag liegen würden. Ganz souverän behauptete er, die Lösung zu haben, die allerdings die Form eines Deos und eines Flammenwerfers hatte. Er wollte das Problem auf seine Weise beseitigen.

Dieser grandiose Plan brachte mich in die unangenehme und lebensgefährliche Lage mich vor einen 18- jährigen Jungen und seinen Feuerwerfer stellen zu müssen um die Tapete zu retten. Als ich dann aber brüllte, der Staubsauger und ich würden das Problem mit „voller Saugstärke“ lösen, fand meine Schwester ihre Sprache wieder und kreischte nur noch „nicht töten, NICHT TÖTEN!“, weil sie ja letztens beschlossen hatte keine Tiere zu töten. Als nach stundenlangen „nicht töten / mein Flammenwerfer und ich regeln das schon / volle Saugstärke“ die Nachbarn von unten anfingen mit Besen gegen die Decke zu hämmern, beschloss ich es sein zu lassen.

Die Strafe für meine Schwester war dann wohl, dass am Abend das riesengroße Vieh direkt über ihrem Kopf schwebte, da es wohl dachte in ihr einen Schutzpatron gefunden zu haben. Nun fand ihre „ nicht töten“ Einstellung ein jähes Ende.


Pubertät – Wenn die Eltern schwierig werden

Kaum hat man das würdevolle Alter des Teenagers erreicht, passiert es. Unsere biologischen Erzeuger, finanziellen Unterstützer oder die wahrscheinlich besten Stellen um seine tägliche Wut abzulassen – kurz Eltern – verändern sich drastisch.

Väter entwickeln sich geistig soweit zurück, dass man denken könnte, der eigene Vater wäre soeben zum kleinen Bruder mutiert. Sie lassen plötzlich keine Gelegenheit mehr aus, um uns in der Öffentlichkeit zu blamieren.

Und die Mütter sind auch nicht viel besser, sie sehen in uns auf einmal die nicht vorhandene Putzfrau. Sprüche wie „ Nun räum doch auf“ oder „ Du bist ja so faul“ stehen an der Tagesordnung. Ihre ungeheure Macht bekommen wir jeden Tag zu spüren, es fängt schon morgens an, wenn wir von ihnen wach geprügelt werden. Hat unser Hirn endlich den beschwerlichen Weg von der Tiefschlafphase zum Halbschlaf gefunden, werden wir sofort mit einer gewaltigen Flut an Fragen überhäuft, die wir noch gar nicht zu beantworten im Stande sind.

Nach dem Frühstück, was ähnlich abläuft, setzt unser Fluchtreflex ein, wir erreichen langsam den Wachzustand. Man flüchtet also in eine Anstalt für Jugendliche, die täglich dieses Schicksal erleiden. Man nennt diese Anstalt umgangssprachlich auch Schule. Ruhe, naja immerhin für acht Stunden, danach geht’s wieder zurück nach Hause, wenn man das überhaupt noch so bezeichnen kann.

Schon auf dem nach Hause Weg fangen wir an die bizarren Visagen jener Leute zu vermissen, die uns täglich Wissen einflößen sollen. Zu Hause geht es sofort weiter:„Wie war’s in der Schule, hast du Hausaufgaben, möchtest du was essen…“

Wahrscheinlich vergessen diese Geier, die sich sobald die Tür aufgeht mit Tausenden sinnlosen Fragen auf uns stürzen, dass wir nach der Schule einfach nicht in der Lage sind eine normale Konversation zu führen, da wir uns innerlich noch mit dem Stoff der letzten Stunde befassen müssen. Dies ist wahrscheinlich der Schutzmechanismus eines jeden Teenagers um überflüssigem Gelaber aus dem Weg zu gehen.

Um seine Hirnzellen nicht mit so einem sinnlos Gespräch zu belasten, flüchtet man mit den Worten „ Ich muss soooooooo viele Hausaufgaben machen“ in sein Zimmer. Schule ist immerhin die einzige akzeptable Ausrede, um den Nachmittag für sich zu haben. Dann kann man sich endlich den wirklich wichtigen Sachen des Lebens hingeben: fernsehen, telefonieren oder einfach nur entspannen…


Das gemeinsame Familieneinkaufen

„Mein Gott Mama! Muss das denn schon wieder sein? Hallo…ist dir eigentlich klar, dass deine Tochter sich im 15. Lebensjahr befindet, was zufällig Pubertät bedeuten könnte?

Weisst du eigentlich auch, dass es übertrieben peinlich ist, mit euch und mit der verdammt voll gestopften Familienhorde Einkaufen zu gehen!?“

Ja, ja, so läuft es bei uns die meisten Samstage ab. Jedes Mal das Selbe, sinnlose Gespräch. Und jedes mal muss ich mit, schließlich bin ich ja das Zieh an – Zieh aus – Püppchen für die Familie. Nun, lasst mich das mal so erzählen:

Wir gehen einkaufen. Und wenn wir erst einmal in einem Laden sind, fängt der schlimmste Teil des Tages für mich an. Alle meine Tanten schicken mich sukzessiv in die Anprobe und lassen mich Klamotten anprobieren… aber nein, nein, doch nicht für mich, sondern für meine einzigartigen Cousinen, die ja nicht nur ein paar sind. Dann heißt es für mich nur noch rein, raus, rein, raus! Dabei ist das schlimmste auch noch, dass meine Tanten – während ich mich umziehe – andauernd einen neuen Haufen voller Klamotten hereinbringen, oder mich schon halbnackt aus der Anprobe herausziehen und mich dem Publikum vorführen. So, und wenn wir nun endlich mit diesem Schema durch sind, komme ich mit einem hochroten Kopf aus der Anprobe und ziehe alle Blicke auf mich! Nun möchte ich mir auch mal die Zeit nehmen um mich im Laden umzusehen, aber bevor ich überhaupt dazu komme, höre ich meine Tante einmal ganz durch den Laden Hals über Kopf schreien, dass ich da sofort rauskommen soll, weil wir weiter müssen. Ohne Zeit zu verlieren wird der nächste Gang eingestellt und wir wandern chaotisch mit einer Lautstärke von Hundert dB weiter.

Nach weiteren Stunden „Shopping“, was ja bei uns nicht der Fall ist, verabschieden sich alle voneinander und machen sich dann nach langem hin und her geknutsche langsam auf den Weg nach Hause.

Aber bevor wir nach Hause gehen, muss ja noch mal bei KIK geshoppt werden, weil es ja dort so gute Qualität gibt und es schön billig ist. Kaum wollen wir reingehen, passiert mir das schrecklichste überhaupt. Ich begegne dem Jungen aus meinem Tanzkurs, der mich schon von hinten erkannt hat und mich beim vorbeigehen mit einem breiten Lächeln angrinst. Ich dachte nur noch „Peinlich, um Himmels Willen, das kann doch jetzt nicht wahr sein!!“ Und bevor ich mich erst umdrehen kann, stand meine Mutter schon vor mir mit einer riesengroßen Elefantentüte und presste mir die Tüte stolz in die Hand. Den ganzen Weg lang, musste ich nur wegen meiner Mutter auf meine Turnschuhe starren…

Der Horrortag war endlich überstanden und ich konnte mir die Zeit nehmen mich schlafen zu legen, denn nach so einem Chaos ist man zu nichts anderem mehr fähig! Tja, und was hat mir der Tag gebracht?? NICHTS, NUR PEINLICHES!!